Ausflug ins Neckartal
Reportagen zu Tagestouren und Trips
oder Heimfahrt einmal anders

Nachdem letzte Woche alles trübe war und mehr grau in grau wirkte, war es diese Woche der klare Kontrast. Selbst das Wetter spielte mit und es war eitel Sonnenschein. Am Montag, dem 21.09.2009, war mal wieder aufwachen ohne Wecker weit vor Plan, so bin ich erneut bereits kurz vor 4 Uhr aus dem Haus und habe den ersten Zug in Richtung Frankfurt genommen. Da ich wie die Woche zuvor viel zu früh angekommen wäre, bin ich ebenso wie Montag zuvor bis nach Mannheim durchgefahren, allerdings dieses Mal nicht ganz ohne Hintergedanken. Das Fotografieren des IC2058 nach Saarbrücken und den Euronight 408 von Budapest nach Frankfurt zählen nicht dazu. Beide Züge kommen fast zeitgleich in den Bahnhof von Mannheim und beide sind mit einer 181 bespannt, aber beide haben heute nur eine rote Lokomotive davor und da ich dank meiner Zeit in Frankfurt ich hoffe doch alle einsatzfähigen Lokomotiven inzwischen fotografiert habe, habe ich es dieses Mal mir verkniffen.

Mein Weg führte zum Infoschalter und dort habe ich nach einer Broschüre zum 20-jährigen Geburtstag des VRN (= Verkehrsverbund Rhein-Neckar) angefragt, wovon der Lok-Report bereits in seiner Juni-Ausgabe berichtete. Am Schalter hatten sie nur noch ein Exemplar, aber beim Fahrkartenschalter, da wären sicherlich noch welche zu haben und tatsächlich, ich habe einen bekommen. Da alles sehr schnell von statten ging, konnte ich zur Rückfahrt bereits den RE4558 um 08:38h nach Frankfurt nehmen. Der IC2058 kommt zwar erst gegen 08:45h in Mannheim in Sichtweite, aber er ist vom ICE bereits in Frankfurt zu sehen gewesen. Einen ersten Blick in die VRN-Broschüre habe ich bereits im Zug riskiert, sieht recht komplex alles aus, was dort geboten und beschrieben ist.

Einen intensiveren Blick in die Broschüre habe ich wie üblich auf den letzten Drücker allerdings erst Donnerstagabend getätigt und gleich auch noch mal den Eisenbahn-Planer quergecheckt, wo noch ein paar zusätzliche Informationen standen. Und es waren noch zusätzliche Fahrten angegeben, die in der Broschüre nicht standen. So sind am Donnerstag wie auch am Freitag Fahrten von Kaiserslautern nach Kusel im Programm und welche der Regionalbahnen durch historische Bahnen getauscht werden, steht dort nicht.

Mit allem was ich nun hatte, konnte ich mir jetzt mal eine Rückfahrt zusammenbauen, die sich doch etwas unterscheidet zum dem wie sonst üblich. Gut, ein kleiner Umweg ist auch drin und eine Stadtbesichtigung ist in Osterburken angesetzt. Nach etwas Rechnerei kommt nur Osterburken in Betracht, denn dort wäre die Übergangszeit von einem Zug auf den nächsten ausreichend. Andere Städte wie Heidelberg, Mannheim oder Mosbach kenne ich schon, Ludwigshafen hat nicht wirklich was zu bieten und Neustadt an der Weinstrasse wäre zu früh am Morgen. Die übrigen Anforderungen waren soviel verschiedene Züge wie möglich zu nutzen, die einen zudem noch weiterbringen. Meinen gesamten Rückfahrplan habe ich auf Datei gespeichert und da meine grauen Zellen nicht so sehr sich was merken können, habe ich die auch gleich mal ausgedruckt und mit brusttaschengerecht aufbereitet.

Frankfurt (Main), 91 80 6 110 436-3 D-DB Frankfurt (Main), 181-207 mit IC1853 auf Gleis 12
Frankfurt (Main), Hauptbahnhof, 91 80 6 110 436-3 D-DB Frankfurt (Main), 181-207 mit IC1853 auf Gleis 12

Am Freitag, dem 25.09.2009, habe ich die Firma kurz nach Mittag verlassen und bin los. Durch die Fahrten nach Kusel hatte ich das Rückfahrprogramm geringfügig erweitert. Am Hauptbahnhof lächelte mich 110-436 (91 80 6 110 436-3 D-DB) an und bevor ich zu meinem Zug ging, war erstmal Gleis 11 am Frankfurter Hauptbahnhof Pflichtprogramm. Auf Gleis 12 steht im besten Licht und Lokomotive voraus der IC1853 nach Halle (Saale) ausfahrbereit und dieser ist mit einer 181 bespannt. Heutige Zuglok ist die 181-207 (91 80 6 181 207-2 D-DB), die einzige Wochenleistung, die diese Mehrsystemlok östlich als Frankfurt (Main) fahren lässt. Auch wenn ich die schon unzählige Male haben, trotzdem ein Foto, der Sonnenschein verleitet geradewegs dazu. Am Mittwoch, dem 23.09.2009, war mein Glück größer. Nach 9 Wochen geduldiger Wartezeit und jeden Wochentag um 07:30h (IC2058, Abfahrt 07:49h) und um 19:40h (EN409, Abfahrt 20:00) am Hauptbahnhof bespannte die langersehnte 181-211 (91 80 6 181 211-4 D-DB), die letzte beige-blaue, den IC2058 nach Saarbrücken.

Dann ging es hinüber zu Gleis 18. Erster Zug war wieder der deutsch-französische Mix mit dem ICE 9554 nach Paris. Aber durchgefahren nach Frankreich bin ich nicht, sondern bereits in Kaiserslautern ausgestiegen. Dort zum Service-Point, um zu erfragen, welche Regionalbahn getauscht wird. Der Beamte wusste dieses, aber nur die Zugnummer. Mit den Orten konnte er noch nicht so viel anfangen, er wohnt erst seit 2 Wochen in dieser Region. Ich kann natürlich auch nicht so viel mit den Zwischenhalten einer Regionalbahn nach Kusel anfangen und wo sich planmäßig die Züge kreuzen. Einen Blick auf den Fahrplan, bis Landstuhl könnte ich fahren, wahrscheinlich wird in Ramstein gekreuzt. Das wäre ungünstig, da ich den Dampfzug ja bei der Einfahrt fotografieren wollte. Was ich nicht wusste zu diesem Zeitpunkt ist, dass erst in Landstuhl die Zweigstrecke nach Kusel von der Hauptbahn nach Saarbrücken abzweigt, somit alles unter Fahrdraht sich befindet. So habe ich mich in die RB13424 gesetzt und bin losgefahren. Am Westende von Kaiserslautern steht die V200-033 der MEH (Museumseisenbahn Hamm) im Gleis. In Landstuhl bin ich ausgestiegen und habe erstmal den Bahnhof inspiziert. Die Züge von und nach Kusel fahren auf Gleis 3, lichttechnisch nicht optimal. Vom äußersten westlichen Punkt des Bahnsteiges 1 ließe sich was machen, nur die Brücke im Hintergrund stört oder der Tanklaster auf dem Gelände gegenüber. Dort auf Bahnsteig 1 wartet bereits ein Fotograf, mit Schweizer Dialekt, der extra für dieses Ereignis hierher gekommen ist.

Während unserer Warterei passiert nicht allzu viel in Landstuhl. Die Quitschie S-Bahnen der Baureihe 425 könnten Motiv der Begierde sein, aber bei dem Instandhaltungswagen wird auf den Auslöser gedrückt. Die ankommenden Flugzeuge auf dem Flugplatz Ramstein hätten schon mehr Faszination, aber selbst mit Teleobjektiv sind sie doch einiges zu weit weg.

Landstuhl, durchfahrende Instandhaltung Landstuhl, RB13427 geführt von 23-042
Landstuhl, durchfahrende Instandhaltung Landstuhl, RB13427 geführt von 23-042

Mit leichter Verspätung kam dann auch die Regionalbahn RB13427 von Kusel um die Ecke gefahren, schon etwas von weitem sichtbar, denn statt des üblichen einheitsrot eines Triebwagens der Baureihe 643 bespannte die 23-042 der DME (Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein) den Zug, Schornstein voraus. Für ein rückwärtiges Foto bleibt keine Zeit, im letzten Foto setze ich bereits zum Spurt an, hastig Bahnsteig 1 halb zurück, die Treppe am Gleis runter und drüben am Bahnsteig 2/3 wieder rauf, inzwischen im Gegenstrom der aussteigenden Fahrgäste, sicherlich ein paar mehr als sonst üblich. Ich erreiche den Zug, auch wenn ich sicherlich kaum ein Wort herausbringen könnte, so abgehetzt, wie ich bin. Innendrin, der Zug ist gut gefüllt und die Sitze machen einen sympathischen Eindruck. Zwischen den Waggons konnte man sogar sich den Fahrtwind auf einer Aussichtsplattform um die Nase wehen lassen. Das hatte ich zuletzt auf dem TranzCostal in Neuseeland von Picton nach Christchurch. Umhergewandert bin ich während der Fahrt zudem auch noch, gesessen habe ich nicht, lieber Bilder aus dem fahrenden Zug und Plattform genießen. Und dann war ich auch schon in Kaiserslautern angelangt. Die V200 ist vorgefahren und sie wird die Rückleistung nach Kusel übernehmen, die Dampflok bleibt in Kaiserslautern.

Kaiserslautern, V200-033 abfahrbereit als RB13426 Kaiserslautern, einfahrender IC2056 mit 101-109
Kaiserslautern, V200-033 abfahrbereit als RB13426 Kaiserslautern, einfahrender IC2056 mit 101-109

Nach den Fotos des Dieselzuges und der Dampflokomotive wird doch noch einiges an Standardeisenbahn fotografiert, erst im Nachhinein merke ich wie viel das eigentlich ist, aber das Wetter ist ja immer noch blauer Himmel mit Sonnenschein. Erwischt hat es 425-213, erneut die Instandhaltung, die wir unterwegs überholt hatten, 643-022 getauft auf Theisbergstegen, einen Güterzug nach Schwetzingen geführt von der 185-025, 425-207, 928-261 und zum Abschluss noch der IC2056, geführt von der 101-109, Lokomotive voraus. Dann geht es zu einem Stadtbummel in Kaiserslautern.

Heute, am Freitag etwas außer Plan, dachte ich mir nach einem Tag fasten gönne ich mir meinen eigentlichen Restauranttag, der eigentlich auf einen Donnerstag fällt. Wäre sogar möglich, denn den mache ich ja einen Tag vor der Rückreise, also darf ich das heute. Ich fuhr nach Dansenberg und genoss das Abendessen, ein Schweizer Schnitzel, was in etwa einem Cordon Bleu entspricht, natürlich mit Pommes und auch genügendem Flüssigem. Danach ging es zum angenehmen Teil des Abends über, endlich hinlegen, aber den Wecker stellen nicht vergessen. Wecker stellen für einen Samstag, das kommt eher selten vor, aber er sollte klingeln, wenn es noch dunkel ist, also ich wollte mich da nicht auf meinen Aufwachinstinkt verlassen.

So ängstlich hätte ich nicht sein brauchen, mein Instinkt funktioniert, ich werde Samstag, dem 26.09.2009 vor dem Klingeln wach, kuschele aber noch ein wenig unter der Bettdecke, bevor das Musikgeräusch mich dazu bewegt, blitzartig aus dem Bett zu springen, mich in die Sachen zu schmeißen und fluchartig das Haus zu verlassen. So flott hätte ich aber gar nicht sein brauchen, denn die Haltestelle "Gasthaus Fröhlich" ist gleich gegenüber dem Restaurant / Gasthaus. Zum Bahnhof geht die Fahrt über einen benachbarten Ortsteil, nicht direkt an einem Samstagmorgen, laut Internet sollte ich am „Pfaffplatz" umsteigen. Unterwegs einige Situationen, Kaiserslauterns Strassen können sehr eng sein und als sich zwei Busse begegnen, muss der eine doch ein ganzes Stück zurück fahren. Das scheint aber üblich zu sein, wenn man den Gesprächen der einheimischen Fahrgäste lauscht.

An der Endstation, bis dahin leuchtete der Name „Pfaffplatz“ nicht auf und eine Ansage gab es auch nicht. In den Bussen von Kaiserslautern werden anscheinend die Haltestellen nicht durchgesagt. So habe ich den Fahrer gefragt und der meinte, Linie 105, er gibt dem Fahrer fort Bescheid. Ich laufe hinüber und finde den Bus und setze mich. Irgendwann fragt der Fahrer in einem sehr rüden Ton, ob der Umsteiger schon da ist. Ich melde mich und dann macht der mich zur Schnecke, ob ich denn nichts sagen könnte und ist außer sich. Ja denkt der denn wirklich, ich brauche für 2* über die Strasse springen und vielleicht 300 Meter was weiß ich ... 15 Minuten ??? Ich bleibe ruhig, denn so genau habe ich dem sein Pfälzer-Gebrummel nicht verstanden. Dann ist er aber losgebummelt und ich war rechtzeitig am Bahnhof, bereit für den ersten Zug an diesem Morgen.

Kaiserslautern, 406-080 in Gleis 3, 411-053 rückwärtig Kaiserslautern, innovativer Triebwagen ET5.09b
Kaiserslautern, 406-080 in Gleis 3, 411-053 rückwärtig Kaiserslautern, innovativer Triebwagen ET5.09b

Mein innovativer Zug ist bereits auf der Anzeigetafel an der Treppe zu den Gleisen im Kaiserslauterner Hauptbahnhof vermerkt, für Gleis 5 mit Ziel Heidelberg, aber ein Zwischenhalt ist nicht angegeben. Zuerst aber Foto vom ICE9558 auf Gleis 3 geführt von Triebwagen 406 080 (93 80 5 406 080-2 D-DB, Würzburg). Im Nachbargleis, auf Gleis 4, wo ich auch stehe, ist 411-053 zu sehen. Ich laufe vor, Foto vom Zugkopf, von 411 553 (93 80 5 411 553-1 D-DB, Ilmenau) des ICE1557 nach Dresden in der Morgendämmerung.

Dann kommt mein Zug, wie auf dem Zugzeiger angekündigt, auf Gleis 5. Laut Broschüre ein "innovativer Triebwagen", was da wohl ist ? Enttäuschung, es ist ein Flirt (hört sich gut an) aus dem Hellweg-Netz (hört sich schlecht an). Was ist daran innovativ ? Die fahren bei uns um die Ecke en masse, der Hellweg ist nicht sehr weit entfernt, der dichteste Punkt wäre Altenbeken. Bereitgestellt wurde für die Präsentation von Keolis der Flirt ET5.09 (94 80 0 428 608-4 D-ERB). Im Zug sitzen mir gegenüber auch eine Gruppe etwas älterer Engländer, wie üblich, mit Fotoapparat und viel wichtiger mit Stift und Notizblock bewaffnet, schreiben alles auf, alle Nummer, die sie erspähen können, typisch Train-Spotting. Den armen Schaffner fragen bezüglich Zug, Eigentümer, Linien, Verkehr und sonstigem aus. Er erklärt alles und so erfahre ich, die Eurobahn hat das Netz gewonnen und wird hier ab Dezember wohl ein wenig mehr Flirt fahren.

Neustadt(Weinstrasse), 38-1301 der ÖGEG Neustadt(Weinstrasse), Reiterstellwerk
Neustadt(Weinstrasse), 38-1301 der ÖGEG Neustadt(Weinstrasse), Reiterstellwerk

Innenanischt Personenwaggon 2.Klasse Innenanischt Personenwaggon 1.Klasse
Innenanischt Personenwaggon 2.Klasse Innenanischt Personenwaggon 1.Klasse

Flirt fahren, da ist mir aber zu doof, ich steige in Neustadt / Weinstrasse aus und warte lieber auf den nächsten Zug, laut Fahrplan um 08:35h in 17 Minuten. Den Engländern ist der Flirt wohl auch zu langweilig, denn die älteren Herren bummeln sich auch am Bahnsteig herum. Mein nächster Zug kommt; die Anhänger sind grün (schon besser), die Lokomotive ist schwarz (noch viel besser), die muss erstmal fotografiert werden in den ersten Sonnenstrahlen, die über den Berghang herüberscheinen. Um ein wenig Verwirrung zu stiften, ist die Nummer auch nicht original, also ein Versteckspiel und das um halb neun an einem Samstagmorgen. Interessant wäre, was die Engländer notiert haben, denn auf der Dampflokomotive steht 38 3156. Sonst hat sie aber bei der ÖGEG die Nummer 38 1301. Es wird nicht die einzige Dampflok bleiben, die getarnt durch die Pfalz und das Neckartal fährt. Die Nummern, das ist Absicht. Neben den Nummern sind auch die BW-Schilder getauscht, es sollen Züge fahren, wie sie hier einst gefahren sind. Alles stilecht, Puristen haben sicherlich ihre wahre Freude, wenn der Hintergrund richtig gewählt ist.

Ich steige ein, die 2. Klasse hat endlich Platz für meinen Rucksack, den man in einem ICE-Großraumwagen schlecht in die Ablage bekommt. Der Vorteil eines Silberlings. Oder sollte ich doch lieber 1. Klasse reisen oder besser doch nicht, sonst schlafe ich noch im Plüschsessel mit Kuschelkissen ein. Jedoch nicht nur ich fotografiere, fast alle mitfahrenden Gäste sind am Fenster trotz der Morgenfrische versammelt. Natürlich auch die Zugverfolger sind auf den Beinen und auch einige sehr sportlich, selbst Dächer wurden erklommen. Bei der Ausfahrt aus Neustadt an der Weinstrasse am Reiterstellwerk das erste Schwadron Frühaufsteher und Ortskundiger, die haben Glück, Zug und Stellwerk werden optimal beleuchtet und der Zug wird auch dort hindurch geführt.

Haßloch, Güterzugdurchfahrt 185-364 Haßloch, deutsches Krokodil E94-051 der EFH
Haßloch, Güterzugdurchfahrt 185-364 Haßloch, deutsches Krokodil E94-051 der EFH

In Schifferstadt verlasse ich den Zug wieder, es beginnt das Spiel, 2 Schritte vor und einen zurück. Meine Planung ist wirklich nur eine Strecke, die ich im Zick-Zack entlangfahre. Die 8 Kilometer nach Hassloch zurück bringt mich 425-738; ich erreiche die Station um 09:22h. Bereits auf der Durchfahrt habe ich Blicke für mögliche Standorte ausgespäht, viel brauchbares ist nicht. Der Bahnsteig eignet sich nicht, nur etwas westlich wäre genügend freie Sicht auf die Strecke und da postiere ich mich. Hoffentlich habe ich genügend sportliche Kondition für den Rückweg. In den 22 Minuten Wartezeit ärgert mich die Kamera, die sich mal wieder verstellt und allzu viel Langeweile habe ich nicht am Werkstor. 155-066 im Gegenlicht, 185-364 mit falscher Belichtung und 425-768 fahren an mir vorbei, bevor ich von weitem sehe, das kommt nichts rotes, auch nichts schwarzes, das ist grün. Gespannt warte ich und ... es naht ein Krokodil, die E94 051 der EFH (Eisenbahnfreunde Hegau). Als es an mir vorbei ist, setze ich zum Spurt an, gar nicht so einfach mit Sandalen und 10kg Kampfgepäck im Rucksack. Der Zug ist auch recht weit hineingefahren, hoffentlich erkennen die Schaffner den rasenden Reporter. Auf dem Gegenbahnsteig, da erhalte ich von den vielen Leuten lautstarke Unterstützung mit Klatschen, die mich anfeuern weiterzumachen. Jetzt nicht aufgeben denke ich, durchhalten und erreichen, denn sonst wäre es schon eine Blamage, mal davon abgesehen, mein Fahrplanzettel würde nicht mehr stimmen. Ich erreiche tatsächlich den Zug und pfeife aus dem letzten Atemloch. Aber warum so viele Leute dort standen, wegen mir ? Ich weiß es (noch) nicht, das wird sich aber in Kürze auflösen.

Die Fahrt geht für mich bis nach Ludwigshafen-Mitte. In den Feldern immer noch die Zugfotografen, die auch schon die Dampflok im Visier hatten. Neben Hamburger Kennzeichen sind auch einige gelbe darunter, einige haben doch eine weite Anreise gehabt. Im Vorfeld des Hauptbahnhofes von Ludwigshafen eine Unmenge an 425-Einheiten, einzig interessant sind die Kleinlokomotive 98 80 3 352 103-6 D-KIEL sowie die abgestellte 110-401. Größer kann der Kontrast in Ludwigshafen-Mitte nicht sein. Voll modernisierter Bahnhof, in dem ein historischer Zug hält. Die „normalen“ Reisenden sind über den Anblick schon verwundert. Selbst die 628-er Einheit wirkt schon altertümlich. Ich wechsele von Gleis 3 auf Gleis 1. Wäre ich auf Gleis 3 geblieben und hätte dort etwas mehr meiner 21-minütigen Wartezeit verbracht, hätte ich noch den SBB-Cargo-Kesselwagenzug besser umsetzen können, mit einer 3-fach Traktion.

Schifferstadt, überfüllte S-Bahn Entlastungszug zum FCK-Spiel, 218-477
Schifferstadt, überfüllte S-Bahn Entlastungszug zum FCK-Spiel, 218-477

Um 10:28h fährt S1 mit der 425-233 ein und diese ist total überfüllt. Der FCK (Kaiserslautern) spielt daheim auf dem Betzenberg und die Züge sind überfüllter als die Tokioter U-Bahn in der morgendlichen Rush-Hour. Ein Glück, dass ich nicht Kuschelzug stehend bis nach Kaiserslautern fahren muss. Berliner S-Bahn-Fahrer werden aber wohl in diesen Zeiten die Überfüllung des Zuges als normal empfinden. Umfallen kann man nicht, ich versuche mich irgendwie von der rechten Tür zur linken Tür durchzuschlagen. 12 Kilometer oder 12 Minuten Zeit habe ich ja. An jeder Station strömen ein paar mehr Leute in den Zug. Es bleibt aber ruhig. In Schifferstadt gehen die Türen dann nicht mehr zu. Kurz hinter meiner S-Bahn fährt aber der Entlastungszug RB18498 zum FCK-Spiel, geführt von der 218-477 (92 80 1 218 477-8 D-DB), der aber im Internet-Portal bei Durchrechnen meiner Reise nicht angezeigt wurde. Auch in Schifferstadt habe ich zu schnell von Gleis 3 auf Gleis 1 gewechselt, denn in den Ausweichbereich fährt 185 231 (91 80 6 185 231-8 D-DB) ein. Mit so was konnte ich doch nun wirklich nicht rechnen, aber wo sollte der Güterzug auch sonst hin ? Gleis 1 und 2 sind durch die Regionalbahn aus Speyer belegt.

Gorgast, abgestellte W232-09 der ITL Ludwigshafen, Hauptbahnhof (tief) Gleis 6; Dampflok 52-4867 der HEF
Limburgerhof, auf der Waggonplattform Ludwigshafen, Hauptbahnhof; Dampflok 52-4867

Für mich geht es wieder weiter gen Osten und wieder ein Stück Zeitreise. Als nächste kommt um 11:05h die Dampflok 52-4867 der HEF (Hafeneisenbahn Frankfurt), die den Zug nach Ludwigshafen Hauptbahnhof tief bespannt. Voll ist dieser Zug nicht, und ich genieße erneut die Fahrt auf der Aussichtsplattform des Waggons. Den Schaffner bitte ich um ein Foto, es scheint aber, so oft hat er keine Spiegelreflexkamera in der Hand. Mit der Belichtung, auch das klappt nicht so sehr. Nach dem zweiten missglückten Versuch lasse ich es lieber und nehme das Bild, auch wenn man da rein gar nichts erkennen oder erahnen kann. Ich habe übrigens eine braune Jacke an. Welche Dampflok verbirgt sich denn hinter der 52-4867. Der Dampflokführer bestätigt, es ist die Originalnummer.

In Ludwigshafen angekommen, macht es sich bemerkbar, dass Zugverfolgung mit dem Zug auch seine Nachteile hat, denn die Dampflok befährt das Gleisdreieck und käme im besten Sonnenlicht an mir vorbeigefahren, wenn ich denn geblieben wäre. Für mich geht es aber mit der S-Bahn zum nächsten Highlight nach Neckargemünd. In Mannheim gesellt sich ein weiterer Sonderzug in das Programm, 3 Gleise weiter steht die österreichische 1042-520-5 der schweizerischen Centralbahn mit Werbung des deutschen Eisenbahn-Kuriers.

Neckargemünd, Bahnhof Gleis 1, 01-066 des BEM Neckargemünd, 01-066 auf dem Weg nach Heidelberg
Neckargemünd, Bahnhof Gleis 1, 01-066 des BEM Neckargemünd, 01-066 auf dem Weg nach Heidelberg

Nachdem ich den Rhein überquert habe stehe ich nun in Neckargemünd und warte auf den Schnellzug, wie ihn die Neckartalstrecke wohl schon lange keinen mehr gesehen hat. Der scheint es aber auch Familien angetan zu haben, in der S-Bahn und jetzt auf dem Bahnsteig warten Väter mit ihren Kindern auf diesen Zug. Gezogen wird er Zug von der Dampflok 01-045 und auch diese gibt ihre wahre Identität nicht preis. Hinter ihr verbirgt sich die 01-066 des BEM (Bayrisches Eisenbahnmuseum Nördlingen); neben der Nummer wurden auch noch gleich die Windleitbleche getauscht. So hat man der schwarzen Lady kurzfristig ihrer Lockenpracht beraubt, was in der Eisenbahnerszene auch entsprechen diskutiert worden ist.

Allerdings nicht nur der Zug sieht alt aus, sondern auch die meisten Fahrgäste sind nicht mehr die jüngsten. Viele Herren im Rentneralter haben den Zug geentert. Der Zug ist gerammelt voll, nur im Gegensatz zur S-Bahn sitzt hier trotz der vielen schönen und bequemen Sitze niemand, alle hängen am Fenster. Es ist auch wirklich ein schöner Tag, Sonnensschein, blauer Himmel, hupend grüßende, vorbeifahrende Auto, sofern sie denn es schaffen, den Zug zu überholen und das Neckartal ist wirklich was zum schauen / anschauen und nicht wegschauen. Eine ältere Frau am Bahnsteig in Neckargemünd versteht die Welt nicht mehr, sie wolle nur nach Heidelberg fahren, hat nur ein VRN-Ticket, aber der Zug ist ihr zu nobel und sie kann es nicht fassen, dass der Schaffner sie höflich hinein bittet und bedankt sich mehrere Male, dass sie das noch erleben darf.

Ich hoffe nur, sie hat sich gut festgehalten, denn einige Strategen in Berlin, die haben die Signale und das automatische Bremssystem unmöglich ausgelegt. Die Lokomotive, und eine 01-066 ist wahrlich nicht kurz, ist halb am Signal vorbei, da springt das auf Rot, wunderbar zu sehen, wenn man am Fenster rechts steht, noch vor dem Führerhaus und schmeißt den Zug. Vollbremsung. Da der Zug recht voll ist, kuscheln mal etwas anders und auch etwas schmerzhafter, denn so ziemlich alle sind mit Fotoapparaten und keine kleinen Ritsch-Ratsch-Klick-Kameras bewaffnet. Und das mit der Vollbremsung ist mehrmals aufgetreten. Kleiner Wink hat die DB-Zentrale nach Berlin, sofern man dort überhaupt noch weiß, wie denn ein Dampfross aussieht. Hr. Mehdorn fliegt ja lieber, besonders bei Entfernungen größer 400 Kilometer. Und wo er jetzt gelandet ist, zwar nicht mit den Bonus-Millionen aus einem Börsengang, aber sicherlich doch mit Abfindung, da er sich ja seine Amtszeit ausbezahlen lassen (wollte) … Air Berlin ist stolz, einen erfahrenen und kompetenten Manager an Bord geholt zu haben. Apropos Mehdorn … ich bin ja gleich in Heidelberg. Ich könnte meine 23 Minuten Umsteigezeit nutzen, um mal gegenüber bei Heidelberger Druck zu fragen, welche der Mehdornschen Global-Player-Zukäufe denn noch im Portofolio sind.

Heidelberg, Ausfahrt 01-066 auf Gleis 2 Heidelberg, Fotografen im und am Zug
Heidelberg, Ausfahrt 01-066 auf Gleis 2 Heidelberg, Fotografen im und am Zug

Mache ich aber nicht, ich habe besseres zu tun. In Heidelberg dann das Gewusel wie im Ameisenhaufen, es steigen sehr viele Leute aus und der Strom bewegt sich in Richtung Lokomotive und reißt mich mit. Ich kann mich gar nicht dagegen wehren. Dort wird sich in mehreren Reihen aufgebaut und auf die Ausfahrt gewartet. Die noch im Zug geblieben sind, vorausschauend, das Gegenteil von mir, sind alle mit Taucherbrillen ausgestattet. Natürlich gibt es auch wieder bei den Fotografen und Videofilmern einige Besserwisser und Herumorganisierer und Ewig-Nörgeler, die sich beschweren, wenn jemand (speziell Frauen gehören generell in diese Fraktion) ins Bild laufen, dann aber auch selbst die Opfer - / Täterrolle wechseln und mir in die laufende Videokamera laufen. Natürlich ohne sich zu entschuldigen. Gut, die Videokamera ist klein und unauffällig; ich habe ja das Stativ nicht dabei. Auf den Gleisen 5 und 6 wird es plötzlich laut. "Wir singen Erfurt" schallt und dröhnt es herüber und einige grüne Jungs rennen dorthin.

Heidelberg, Hbf, E10-1239 vom Club103 als SDZ93255 auf Gleis 9 Schlierbach, Abtei Neuburg in Ziegelhausen
Heidelberg, Hbf, E10-1239 vom Club103 als SDZ93255 Schlierbach, Abtei Neuburg in Ziegelhausen

Für mich heißt es nun fragen, auf welchem Gleis mein Zug nach Friedrichshall-Jagstfeld geht, denn bei 10 Gleisen verliere ich schon als Kleinstädter den Überblick. Gleis 9 und da steht nichts rotes, nichts schwarzes, nichts grünes. Eine neue Farbkombination: im besten blau-beige wie geleckt steht dort ein Schnellzug mit nur 3 Waggons. der sieht so vornehm aus, da traut sich kaum einer rein, außer den 3 Amerikanern, die das cool finden und mit Personenzügen nicht so viel anfangen können und diese Garnitur wohl normal und alltäglich finden. Da meine Bahnfahrkarte noch vornehmer ist, steige ich auch in den Zug ein, nachdem ich Lokomotive E10-1239 des Club 103 und Zug fotografiert habe. Während der Fahrt auch hier einige Bilder aus dem Zug, wie auf die Abtei Neuburg in Ziegelhausen, auch wenn der Zug sich sehr flott und elegant durch's Neckartal bewegt. Da der Zug aber sehr kurz ist, sind die Ansichten auf Zug und Lokomotive nicht so berauschend. Leider wird der Zug dauernd ausgebremst, ich sehe schon meinen Anschluss schwinden. Denn dieser Übergang ist der einzige, wo ich nur 3 Minuten Zeit habe. Nicht mal Zeit für Fotos habe ich.

Aber Glück gehabt, auch mein Anschlusszug in Friedrichshall-Jagstfeld ist etwas unpünktlich. Da es heute sehr einfach ist, den richtigen Zug aufzuspüren, gehe ich einfach der Rauchfahne nach und wieder ist es keine so langweilige, surrende, unbequeme Quitschie-S-Bahn, die beim ersten zarten Hauch von Herbst mit Blättern auf den Gleisen ins Rutschen kommt und nicht mehr bremsen kann, sondern erneut preußisch antiquierte Ingenieursleistung, die P8 oder die getarnte 38-1301 ist vorgespannt.

Zu einer bei einem österreichischen Museums fahrenden Lok ist es nicht verwunderlich: ein Österreicher, der extra wegen dem lieblichen Neckartal ins Neckartal gekommen ist, um hier ein wenig Zug zu fahren springt von einer Seite auf die andere. Er erzählt mir, er sei die Strecke bereits mal mit einem normalen Zug gefahren und hat sich vorgenommen, wenn hier ein Dampfzug fährt, ist er da. Nun hat er wahrlich die Gelegenheit und das nicht nur einmalig. Als er einen Moment nicht aufpasst, ist sein Fensterplatz weg. Ich biete ihm meinen an, er nimmt dankend an. Ich benötige denn ja nur für enge Linkskurven, wenn der ganze Zug einsichtbar ist und von der Sonne angestrahlt wird. Er lehnt sich recht weit hinaus. Hinter mir die Videofilmer müssen nun über ihn hinwegfilmen, geht aber mit Kamera, wo man nicht durchschauen muss. Anders sieht es da schon bei Vater und Sohn 2 Abteile weiter vorne aus. Sohn filmt und Vater hält das Mikrofon.

Offenau, Blick auf Bad Wimpfen Gundelsheim, Allmendweg, Stadtmauer und St. Nikolaus-Kirche
Offenau, Blick auf Bad Wimpfen Gundelsheim, Stadtmauer und St. Nikolaus-Kirche

Haßmersheim, Neckar, Burg Hornberg Zwingenberg, Schloss
Haßmersheim, Neckar, Burg Hornberg Zwingenberg, Schloss

Gundelsheim, Fotografen an der Mosbacher Strasse Hirschhorn, 38-1301 legt sich in die Kurve
Gundelsheim, Fotografen an der Mosbacher Strasse Hirschhorn, 38-1301 legt sich in die Kurve

In diesem Teilabschnitt wird auch wirklich was geboten. Gundelsheim mit seinem Schloss zum Beispiel. Nur ich habe Glück, hin zu hat sich die Belichtung verstellt, die Aufnahme ist überbelichtet, bei der Rückfahrt klebt eine Wolke über der Stadt. Der Blick von Offenau auf das mittelalterlich geprägte Bad Wimpfen, Burg Ehrenberg und der Neckar bei Haßmersheim, sogar sehr schön mit Schiff und Fähre, anschließend die Burg Hornberg, kurz danach Zwingenberg. Aber auch der Zug wird von unzähligen Fotografen erwartet, jeder Meter an der Strecke sind welche zu entdecken.

In Hirschhorn ist meine Fahrt beendet. Hirschhorn, das einzige Stück Hessen, welches am Neckar liegt. Hier nochmals ein Foto der Dampflok, jedoch muss ich humpelt laufen, da sich ein Stein in meinem Schuh anscheinend recht wohlfühlt. 8 Minuten Zeit habe ich, ich kann es mir sogar leisten, im Kiosk am Bahnhof eine Nussecke zu holen, meine erste Mahlzeit heute und dann kommt auch schon die S-Bahn mit Triebzug 425-733, die mich ein Stück transportieren wird.

Neckarelz, 50-2740 bei der Einfahrt auf Gleis 2 Mosbach, Dampfzug mit 50-2740 bei der Ausfahrt
Neckarelz, 50-2740 bei der Einfahrt auf Gleis 2 Mosbach, Dampfzug mit 50-2740 bei der Ausfahrt

Letztlich komme ich in Neckarelz an und erneut ist umsteigen angesagt, es geht in die Pampa im Landkreis Mosbach, bekannt durch den Limes, der hier langführte. Auch dieser Zug ist mit einer Dampflokomotive, allerdings wieder einer, der Rätsel aufgibt, denn die Nummer der Lokomotive ist auch eine getarnte, aber sie kommt von den Ulmern und es ist die 50-2740, die als 50-2179 durch die Lande fährt. Um das Verwirrspiel komplett zu machen, die Byg-Waggons im Schlepp kommen aus Betzdorf. In Neckarelz muss die Dampflok von ihrer Rundfahrt Heilbronn – Neckarelz – Mosbach – Osterburken – Möckmühl – Heilbronn umsetzen, genauso wie in Osterburken, fährt aber so den größten Teil der Strecke Schornstein voraus. So kann ich ein Foto während der Einfahrt machen und brauche nicht wie in Hassloch zurückhetzen.

Dieser Zug erklimmt wirklich geräuschvoll die Steige hinter Mosbach hoch und die Kraftanstrengung wird nur durch die kraftvolle Stimme des Schaffners übertönt, der die Orte bei den Halten lauthals herausbrüllt. Und keine monotone computer zusammengestückelte Ansage, wie in den S-Bahnen und er ist auch besser informiert als die Mitarbeiterinnen auf dem Frankfurter Hauptbahnhof, die für den eingefahrenen Regionalzug aus Fulda den Anschluss für den Zug nach Wächtersbach durchsagen ! Wenn mich nach dieser Fahrt unsere Stadtwerke auffordern, ein höheres Schmutzwassergeld zu zahlen, ich kann es ihnen leider nicht verübeln. Was mich bei Haarewaschen erwartet, weiß ich. Die China-Dampflokexkursion lässt grüßen. Der VRN hatte in seiner Broschüre bereits darauf hingewiesen, um den Ewig-Nörglern den Wind aus den Segeln zu nehmen, dass es etwas schmutziger werden könnte. Da ich ja keine Taucherbrille dabei habe und es bei den anderen Dampfzügen doch ab und an im Auge schmerzte, setze ich einfach die Brille auf, die ich mitführe. Warum bin ich darauf nicht eher gekommen ? Es geht ohne Probleme, nun kann ich die Fahrt genießen und auch der Fahrtwind lässt die Augen nicht mehr so stark tränen.

Osterburken, Bahnhof, 50-2740 beim Umsetzen Osterburken, Bahnhof, 111 029 Wochenendruhe
Osterburken, Bahnhof, 50-2740 beim Umsetzen Osterburken, Bahnhof, 111 029 Wochenendruhe

Osterburken, Friedrichstrasse, Seckachbrücke Osterburken, Turmstrasse, Alte Schule
Osterburken, Friedrichstrasse, Seckachbrücke Osterburken, Turmstrasse, Alte Schule

In Osterburken dann 1 Stunde 15 Minuten Zeit. Zuerst umsetzen der Dampflokomotive, dann kann ich endlich meine Stadtrunde drehen. Es geht ins Zentrum, wo an der Kilians-Kirche gerade eine Hochzeit stattfindet. Vorbei am Römischen Museum geht es wieder Richtung Bahnhof zum Neukauf, wo ich mir noch etwas Knabberzeugs für die weitere Fahrt hole. Auf dem Parkplatz warten auch einige Kunden, die endlich die Dampflok ausfahren sehen wollen. Oder besser die Kinder wollen sie ausfahren sehen, für die Mütter ist es nur lästige Warterei. Tja, ich weiß, 3 Minuten müssen sie sich noch gedulden. Dann geht es für mich wieder zurück, ein wenig Zeit habe ich und so kann ich nach dem Bahnhofsfoto im letzten Abendsonnenschein den Dönerladen gegen über betreten, um ordentlich zu Abend zu essen mit einem Ayran. Ich lasse ihn mir aber lieber einpacken, bevor ich den Zug verpasse. Am Bahnsteig ist die Fastenzeit vorbei und zwei Polizisten patrouillieren ebenfalls auf dem Bahnhof.

Mein Tagesprogramm ist geschafft; wird aber auch Zeit, Speicherchip des Fotoapparates ist vollgeknipst (nur noch 29 Bilder Luft bei einem 4GB-Chip) und der Strom geht auch zur Neige. Die Ankunft des Zuges nach Würzburg ist pünktlich, nur "wir warten noch auf Anschlussreisende". Ach ja, das hatten wir doch schon in Heidelberg "Wir singen Erfurt" kommen in den Zug und die sind besonders gut drauf und singen lauthals, denn Erfurt hat gegen Sandhausen 2:1 gewonnen. Begleitet werden sie übrigens von mehreren Polizeieinheiten in grün und die sind keine Streifenpolizisten. Bei den Kaiserslautern-Fans war keine Polizeibegleitung von nöten. Allerdings sind die Erfurter nicht die einzigen Stimmungskanonen, denn plötzlich lassen sich die Mädchen, die die Stuttgarter Wasen unsicher gemacht haben, nicht lumpen und stimmen ihre Lieder an. Und meine Banknachbarin, wir sitzen direkt zwischen den Fronten, erzählt mir, sie fährt nach Aschaffenburg, kichert, freut sich, weil ihr Mann weiß das nicht.

So geht das bis Würzburg, dann umsteigen aller Fraktionen und ich bin mitten im Fußballblock. Jeder Lautsprecher wird erstmal angepöbelt und angeschrien, der Typ da drin soll doch die Klappe halten. In der Unterführung werden dann die Knallkörper gezündet und die ahnungslosen, vorbeigehenden Passanten zucken zusammen und fordern die Polizei auf, doch einzuschreiten. Wenn man überlegt, wie aufregend, abwechslungsreich und interessant Zugfahren sein kann. Und langweilig es da ist, mit dem Auto im Stau zu stehen. Was hatte ich nicht alles in den letzten Tagen ? Der alleinige Fußballfan von „Carl Zeiss Jena“, stimmgewaltiger als „Wir singen Erfurt“ mit Begleitung nach Braunschweig, der rheinländische Kegelclub mit genügend „Bordverpflegung“, die schon vor Abfahrt des Zuges geöffnet wurde und Reservierung, die nicht im Zug angeschrieben war, die heimfahrende Schulklasse oder auch die Gruppe, die laut und gut verständlich für den ganzen Zug das Buch „Feuchtgebiete“ diskutieren und die Anwendungsbeispiele und Praktiken bewerteten. Der ICE nach Norden kann da nicht mithalten; es ist Totenstille und die Schaffnerin scheint auch nicht ihren besten Tag zu haben. So geht es ohne Stimmung in die niedersächsische Landeshauptstadt.

In Hannover dann das Gegenteil, denn nun gesellt sich eine Truppe Dortmund-Fans in den Zug, und Dortmund hat auf Schalke unglücklich verloren. Da wird weder gejodelt noch gefeiert, sondern tiefst getrauert und das Verhalten der Spieler, des Torwartes und der Schiedsrichter leicht weinend diskutiert. Und dann bin ich auch schon daheim. Einige Male bin ich umgestiegen und 782 Kilometer habe ich in der Eisenbahn verbracht. Die Kilometer stammen aus dem Kursbuch, ja, ich besitze tatsächlich noch so was in gedruckter Form, wovon sich die Deutsche Bahn verabschiedet kann. Auch das nötige Kleingeld brauchte man für diese Tour nicht. Es reichte ein Tagesfahrkarte des VRN sowie das ganz normale Anschlussticket der Deutschen Bahn, denn diese Fahrten waren das Geburtstagsgeschenk des VRN an seine Fahrgäste und Nutzer. Für die Statistiker, nochmals die Reiseroute am diesem Samstag in tabellarischer Form, so wie ich gefahren bin.

26.09.2009
 Dansenberg - Gasthaus Fröhlich 06:49h Bus 104
 KL - Schillerplatz / Rathaus07:14h07:15h Bus 105
 Kaiserslautern - Hbf07:21h07:55h428-608Eurobahn innov. Triebwagen
33Neustadt(Weinstrasse)08:18h08:35h38-1301OGEG Dampfzug
17Schifferstadt08:52h09:15h425-738S1
8Haßloch09:22h09:44hE94-051EF-Hegau Sdz93229
20Ludwigshafen - Mitte10:07h10:28h425-233S1
12Schifferstadt10:40h11:05h52-4867HEF Dampfzug
11Ludwigshafen - Hbf(tief)11:17h11:28h425-238S1
32Neckargemünd12:08h12:33h01-066BEM Nördlingen Dampfzug
11Heidelberg - Hbf12:52h13:15hE10-1239Club103 Sdz93255
72Bad Friedrichshall-Jagstfeld14:18h14:21h38-1301ÖGEG Dampfzug
48Hirschhorn15:14h15:22h425-733S1
30Mosbach-Neckarelz15:47h16:24h50-2740UEF Dampfzug
30Osterburken17:11h18:27h143-176RE4950 +5min
78Würzburg19:22h19:30h402-035ICE582 +8min
325Hannover - Hbf21:32h21:55h S5 (9587)
55Hameln22:40h  = 782km


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